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Von einer visionären Idee in den 1950ern bis zum modernen Bundesfachverband – eine außergewöhnliche Geschichte.
Der Gründervater
Geboren in Algerien als Sohn eines Unteroffiziers der französischen Fremdenlegion, schrieb Lucien Victor Ott eine der faszinierendsten Biografien der modernen Sicherheitsgeschichte. Soldat, Geheimdienstmitarbeiter, Personenschützer, Kampfsportmeister und Visionär – er war all das in einer Person.
Mit gerade 16 Jahren meldete sich Lucien Victor Ott freiwillig für den Dienst in französischen Sondereinsatzkräften. Zunächst bei der 2. Demi-Brigade SAS, später unter dem legendären Colonel Bigeard beim 8. BCP.
Er überlebte schwer verwundet das militärische Debakel von Dien-Bien-Phu – eines der verheerendsten Gefechte des Indochina-Krieges. In Gefangenschaft der Viet-Minh gelang ihm die Flucht. Eine Erfahrung, die seinen Blick auf Sicherheit und Selbstschutz für immer prägte.
Als Mitglied des Deuxième Bureau – dem französischen Militärgeheimdienst – erhielt er den Auftrag, internationale Personenschutzmethoden zu evaluieren. Sein Urteil war eindeutig: Die gängigen Methoden waren veraltet und ineffektiv.
Da es bis dahin kein Forum für Personenschützer gab, gründete Ott 1957 die International Bodyguard Association (I.B.A.) – als Ideenschmiede und länderübergreifende Interessensvertretung. Parallel entwickelte er seinen eigenen Kampfsportstil: Kun-Tai-Ko (KTK) – „Mächtiger kleiner Körper" – eine einzigartige Kombination aus chinesischen und japanisch-okinawesischen Techniken mit der Philosophie: Sich auch mit einem schwachen Körper effektiv zur Wehr setzen können.
Auf dem Höhepunkt der O.A.S.-Krise in Algerien wurde Ott auserwählt, ein Personenschutzteam für Präsident Charles de Gaulle zu bilden – unter dem Oberkommando von General Monsabert. Die Gruppe wurde in der Öffentlichkeit als „Les Gorilles" bekannt – ein Name, der über ihr enormes taktisches Können hinwegtäuschte.
Ott verlegte seinen Lebensmittelpunkt nach Brüssel und gründete die I.B.A. Defense and Security Academy. Zwischenzeitlich lebte er in München, wo er als Stuntman und Bodyguard im Showbusiness tätig war. In Brannenburg nahe Rosenheim eröffnete er in der Wendelstein Halle sein zweites Dojo in Deutschland – und traf dort seinen ersten deutschen Schüler.
1979 trat Alfred Kleinschwärzer, Beamter des Bundesgrenzschutzes aus Rosenheim, dem Kreis um Ott bei. Nach der ersten Begegnung mit dem Maître war klar: Hier hatte der Rosenheimer seinen Weg (DO) gefunden. Ott erkannte sofort das Potential und lud ihn regelmäßig nach Brüssel ein, um gemeinsam bei Polizeien spezielle Ausbildungen im Defense & Security zu leiten.
Otts letztes großes Sicherheitsprojekt war die Mitorganisation der Olympischen Spiele 1992 in Barcelona, wo er im Sicherheitsrat als Berater tätig war. Im Dezember 1989 wurde Lucien mit Krebs im letzten Stadium diagnostiziert. Im Februar 1990 verstarb er im Erasmus Institut in Anderlecht, Belgien.
Der Nachfolger
Freddy Kleinschwärzer ist der direkte Nachfolger von Maître Lucien Victor Ott und Träger von dessen Lebenswerk. Als Polizeitrainer der Bundespolizeidirektion München, erfahrener Krav Maga Instruktor und taktischer Trainer vereint er wie kein anderer die Tradition des Defense & Security mit modernen Ausbildungsmethoden.
Kleinschwärzer entwickelte ein praxisnahes Konzept für Frauenselbstverteidigung. KISS (Keep it Self Simple) entstand in Zusammenarbeit mit der Frauenbeauftragten des Polizeipräsidiums Oberbayern, einem Diplom-Psychologen und mehreren Polizeikollegen. Das Projekt wurde in Fernseh- und Radioreportagen vorgestellt und fand breite Resonanz.
Kleinschwärzer griff die Vision von Maître Ott erneut auf und passte das Defense & Security System an die deutschen Gesetzmäßigkeiten an. Der Startschuss fiel auf der von ihm gegründeten Kwon Academy – mit dem Schwerpunkt auf Gewaltprävention. Der Erfolg war sofort spürbar.
KISS wurde zu Projekt EVA (Erkennen Verlangt Aktion) – einem Gewaltpräventionskonzept mit internationalem Anklang, das sogar in ein Erasmus+ Projekt einfloß. Im selben Jahr wurde Kleinschwärzer per Dekret zum offiziellen Nachfolger von Maître Lucien Victor Ott ernannt.
Stillstand ist Rückschritt. So entstand 2016 der Bundesfachverband für Sicherheit & Selbstverteidigung in Deutschland e.V. (BfSD). Die Mission: Trainer in allen Bereichen der Sicherheit, des Selbstschutzes, des Personenschutzes und der Prävention zu Top-Trainern auszubilden – um die Welt ein kleines Stück sicherer zu machen.
Heute
Was Lucien Victor Ott 1957 in Brüssel begann, ist heute ein lebendiger, wachsender Bundesfachverband mit über 27 zertifizierten Instruktoren in ganz Deutschland und der Schweiz. Das Konzept Defense & Security hat die Jahrzehnte überdauert – und ist aktueller denn je.
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